
Inonotus Obliquus (Schiefer Schillerporling)
Einführung
Lange Zeit wurden die dunklen Fruchtkörper der Nebenfruchtform des Schiefen Schillerporlings oder Chaga (Tschaga), die auf verschiedenen Birkenarten wachsen, außerhalb Osteuropas kaum beachtet. Erst in den letzten Jahren hat dieser heilkräftige Pilz, der auch in unseren Regionen beheimatet ist, zunehmend die Aufmerksamkeit der Menschen erregt. Es ist durchaus möglich, dass viele Menschen achtlos an diesem Pilz vorbeigegangen sind, der vorrangig auf Birken gedeiht, ohne ihn zu bemerken. Seine Erscheinungsform äußert sich in unauffälligen, schwarzen, knolligen, bröckeligen Wucherungen, die sich mehr oder weniger deutlich von der schwarz-weißen Maserung der Rinde seines Wirtsbaums abheben. Dieser Pilz gehört zu den Arten, bei denen die weniger bekannte Nebenfruchtform (Anamorphe) leichter erkennbar ist und daher häufiger wahrgenommen wird als die namensgebende Hauptfruchtform (Teleomorphe). Die Beschreibungen in diesem Text konzentrieren sich hauptsächlich auf die Merkmale der Nebenfruchtform an der Birke. Heutzutage wird sie oft einfach als Chaga bezeichnet, in Anspielung auf ihren russischen Namen. An den Stellen, an denen die Hauptfruchtform gemeint ist, wird dies ausdrücklich erläutert. Aus wissenschaftlicher Sicht handelt es sich in beiden Fällen um den Schiefen Schillerporling (Inonotus obliquus).

Einsatzgebiete
- Entzündliche Gesundheitsprobleme im Verdauungssystem
- Allgemeine Krebserkrankungen, insbesondere im Magen-Darm-Bereich
- Sättigung von Hunger
- Reduzierung von Entzündungen
- Generelle Stärkung des Körpers
- Förderung antioxidativer Prozesse
- Bekämpfung von Viren Verbesserung der körpereigenen Abwehrkräfte
- Modulation des Immunsystems
- Anregung des Stoffwechsels zur Unterstützung bei allergischen Hauterkrankungen und Darmgesundheit
- Reinigende und desinfizierende Wirkung bei äußerlicher Anwendung
Medizinische Verwendung
Seit Jahrhunderten hat der legendäre Chaga-Pilz in Sibirien eine lange Geschichte der Anwendung bei schweren Magen-Darm-Erkrankungen. Er ist darüber hinaus für seine stärkenden Eigenschaften, seine Fähigkeit zur Blutreinigung und seine Verwendung bei Tuberkulose und Herzerkrankungen bekannt. Diese traditionellen Verwendungen weckten das Interesse der wissenschaftlichen Gemeinschaft in Russland, die in den 1930er-Jahren mit der systematischen Erforschung des Pilzes begann. In der russischen Medizin ist er seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil. Doch auch in anderen Regionen war seine heilsame Wirkung bekannt. Die norwegische Bezeichnung kreftkjuke – Krebsporling weist auf seine Anwendung bei Krebserkrankungen hin. In den letzten Jahren hat der Chaga auch in Japan und China verstärkte Aufmerksamkeit erhalten. Studien wie die von Youn et al. (2009) und Yong et al. (2011) haben beispielsweise seine krebsbekämpfenden Eigenschaften aufgezeigt. Eine umfassende Zusammenfassung dieser Anwendungsbereiche bietet auch die Überprüfung von Song et al. (2013).
Der Chaga-Pilz erweist sich als äußerst wirkungsvolles Heilmittel für sämtliche Erkrankungen des Verdauungstrakts. Dazu gehören Geschwüre und Entzündungen, die den Magen (Gastritis) sowie den Zwölffingerdarm (Gastroduodenitis) betreffen. Er bietet ebenfalls eine wirksame Behandlungsoption für Polypen, die im Magen und Darm auftreten können. Diese Schleimhautveränderungen sind in der Bevölkerung weit verbreitet und weisen in der Regel einen gutartigen Verlauf auf. Es ist bemerkenswert, dass etwa 10 % der Menschen in Industrienationen im Laufe ihres Lebens mit Darmpolypen konfrontiert werden, wobei die Häufigkeit mit dem Alter zunimmt. Interessanterweise sind Darmpolypen in asiatischen und afrikanischen Regionen weniger verbreitet, was auf genetische Faktoren sowie die Bedeutung der Ernährung hinweist. Aufgrund ihres Potenzials, sich über viele Jahre hinweg in bösartige Tumore zu entwickeln, gelten Darmpolypen heute einstimmig in der medizinischen Gemeinschaft als Vorstufen von Darmkrebs und werden daher präventiv während Darmspiegelungen entfernt.
In der Therapie von allergischen Hauterkrankungen wie Ekzemen und Schuppenflechte erweist sich die heilsame Einwirkung auf das Verdauungssystem als äußerst nützlich. Die Wichtigkeit eines gesunden Darms, der von einer stabilen Darmflora unterstützt wird, für die Regulation unseres Immunsystems kann nicht überbetont werden. Unser Darm stellt die größte Schnittstelle zwischen unserem Körper und der äußeren Welt dar. In jüngster Zeit gibt es immer mehr Anzeichen dafür, dass Unregelmäßigkeiten im Verdauungssystem oft die Wurzel von Hauterkrankungen darstellen. Eine gestörte Darmflora kann die effiziente Aufnahme von Nährstoffen beeinträchtigen und die Entstehung schädlicher Abfallprodukte begünstigen. Dies führt zu einer geschwächten immunologischen Abwehrfunktion des Darms gegenüber äußeren Einflüssen und vermehrten, fehlerhaften Reaktionen auf Nahrungsmittel.
In der Welt der Komplementärmedizin wird der Begriff Leaky Gut, was auf einen durchlässigen Darm hinweist, verwendet. Es wird behauptet, dass diese Störung bei zahlreichen Erkrankungen wie Rheuma, dem chronischen Müdigkeitssyndrom, Diabetes, Multiple Sklerose und vielen anderen eine Rolle spielt. Die Vorstellung, dass eine gestörte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut die Wurzel vieler Krankheiten sein könnte, erscheint durchaus plausibel. Trotzdem gibt es bis heute keine wissenschaftlichen Beweise für das Bestehen dieses Syndroms oder den behaupteten Zusammenhang mit anderen Krankheiten, wie es von der Komplementärmedizin postuliert wird. Dies führt dazu, dass die Schulmedizin diesem Ansatz skeptisch gegenübersteht.
Durch die Verwendung dieses Pilzes wird das allgemeine Immunsystem gestärkt und seine immunmodulierende Wirkung wurde nachgewiesen (Shashkina et al. 2006, Ko et al. 2010). Darüber hinaus regt der Pilz den Stoffwechsel an, lindert den Hunger, vertreibt Erschöpfung und steigert die Leistungsfähigkeit. Aufgrund seiner immunstimulierenden Eigenschaften wird er auch zur Behandlung des chronischen Erschöpfungssyndroms (CFS) eingesetzt. Die genaue Ursache dieses Syndroms ist nach wie vor nicht vollständig verstanden, aber es gibt Hinweise auf eine mögliche Beteiligung von chronischen viralen Infektionen. Erste wissenschaftliche Nachweise für die antivirale Wirkung des Pilzes wurden von Kahlos et al. (1996) erbracht. Sie verwendeten Präparate mit hohem Polysaccharid-Anteil aus der äußeren schwarzen Schicht und konnten eine fast 100%-ige Hemmung von Influenzaviren (Grippe) Typ A und B nachweisen. Shibnev et al. (20n) konnten in Zellkulturen eine signifikante Hemmung von Hepatitisviren durch das wässrigen Pilzpräparat mit hohem Polysaccharid-Anteil zeigen.
Das Heilmittel Chaga bietet wirksame Linderung bei entzündlichen Leiden des Halses und Rachenraums. Hierbei kann es durch Gurgeln oder das Einatmen von Dampf angewendet werden. Ebenso erzielt es beeindruckende Resultate bei der Behandlung von Parodontose (Zahnfleischentzündungen). Bei innerlicher Anwendung trägt es zur Bekämpfung entzündlicher Leber- und Milzerkrankungen sowie von Problemen im lymphatischen System bei. Die herausragenden entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften wurden von Park et al. (2005) dokumentiert, während Van et al. (2009) ähnliche Ergebnisse in Versuchen mit Mäusezellen erzielten. Zusätzlich zur Stärkung des Zentralnervensystems fördert der Pilz Entspannung und Schlaf. Ein weiterer möglicher Nutzen ist die Senkung des Blutdrucks bei Einnahme des Präparats mit hohem Polysaccharid-Anteil.
Ein herausragendes Anwendungsfeld für diesen Pilz liegt zweifellos in der Bekämpfung von Krebserkrankungen, darunter Lungen- und Hautkrebs. Seine besondere Wirksamkeit zeigt sich jedoch besonders deutlich bei Tumoren im Magen-Darm-Trakt sowie beim Hodgkin-Lymphom, einer Form von weißen Blutkörperchenkrebs. Die vielversprechendsten Resultate werden erwartungsgemäß in den Frühstadien der Erkrankungen erzielt. Selbst in fortgeschrittenen Stadien kann die Pilzeinnahme das Tumorwachstum verlangsamen und Schmerzlinderung bringen. Darüber hinaus trägt die Nutzung dieses Pilzes zur allgemeinen Besserung des Gesundheitszustands bei, beispielsweise nach operativen Tumorentfernungen, und mildert die Nebenwirkungen konventioneller Chemotherapien. In Absprache mit dem behandelnden Arzt sollte die Pilzeinnahme sogar in Kombination mit herkömmlicher Chemotherapie erfolgen. Während dieser Therapie ist es ratsam, auf den Verzehr von Fleisch, fetthaltigen Speisen, Konserven und geräucherten Produkten zu verzichten.
Der Chaga-Pilz ist gewiss kein Allheilmittel gegen Krebserkrankungen. Trotzdem sind die bisherigen Erfahrungen äußerst ermutigend, und es ist nicht überraschend, dass die Moskauer Akademie der Medizinwissenschaften seine Verwendung als begleitende Therapieform bei verschiedenen Krebserkrankungen befürwortet. In Regionen, in denen die regelmäßige Anwendung dieses Pilzes zur Krebsprävention gängig ist, zeigen verfügbare Statistiken verringerte Krebsraten. Gegenwärtig existiert eine Fülle wissenschaftlicher Studien, die die krebsbekämpfenden Eigenschaften des Pilzes und seiner Präparate mit hohem Polysaccharid-Anteil auf Krebszellen belegen (Shashkina et al. 2006). Trotzdem sollte beachtet werden, dass die Konsultation eines medizinischen Fachmanns bei Krebserkrankungen unerlässlich ist, und die Verwendung von Chaga sollte als unterstützende Maßnahme betrachtet werden.
Die eindrucksvolle Fülle an Forschungsstudien verdeutlicht die außerordentlichen antioxidativen Qualitäten des Chaga (Du et al. 2013). Seine antioxidative Potenz wird weitaus höher eingeschätzt als die des Glänzenden Lackporlings (Ganoderma ladum) und des Raupenpilzes (Cordyceps sinensis), selbst im Vergleich zu gut bekannten antioxidativen Lebensmitteln wie Goji- oder Heidelbeeren (Lycium barbarum, Vaccinium myrtillus).
Die außergewöhnliche antioxidative Wirkung des Chaga wird hauptsächlich dem Enzym Superoxid Dismutase (SOD) zugeschrieben. SOD ist ein Enzym, das von sämtlichen Lebewesen gebildet wird und hochreaktive Superoxid-Anionen in ungefährliches Wasserstoffperoxid umwandelt. Bisher gibt es jedoch keine veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten, die die behauptete hohe SOD-Konzentration im Chaga bestätigen. Die Angabe, dass der Chaga eine SOD-Aktivität von 35.000 Einheiten pro Gramm aufweist (zum Vergleich: Der Reishi-Pilz, Ganoderma lucidum, hat eine Aktivität von 1.400 Einheiten pro Gramm), stammt aus Labortests, die im Auftrag der Dove Health Alliance durchgeführt wurden. Interessanterweise fehlen jedoch konkrete Informationen zu diesen Untersuchungen.
Die Asche von verbrannten Fruchtkörpern, nachdem sie in Wasser eingeweicht wurde, kann zur Herstellung einer desinfizierenden Waschlösung genutzt werden. Früher fand diese Lösung insbesondere Verwendung bei der Reinigung des Genitalbereichs während der Monatsblutung oder nach der Geburt sowie zur Pflege von Neugeborenen. Ähnliche Verwendungen von Pilzfruchtkörper-Asche sind auch bei anderen Pilzarten bekannt. Zusätzlich wurde das getrocknete Pilzpulver auf Schürfwunden und Schnitte aufgebracht, um eitrige Entzündungen zu verhindern. Die rationale Nutzung dieser mineralstoffreichen und basischen Asche liegt auf der Hand.
Im Jahr 1989 veröffentlichte Maret Saar einen Bericht über die medizinische Anwendung des Chaga-Pilzes bei den Ostyaken (Khanty), einer indigenen Gemeinschaft in Westsibirien. Die Mitglieder dieser Gemeinschaft bereiteten einen Tee aus dem Pilz zu, indem sie 3 Teelöffel des Chaga-Pilzes in 2,5 Litern Wasser einige Minuten lang kochten. Dieser Tee wurde zur Behandlung von Eingeweidewürmern, zur Entgiftung, bei Herz- und Lebererkrankungen sowie bei Tuberkulose und Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt. Die Zubereitung des Pilztees als Waschlösung erfolgte gemäß den bereits beschriebenen Verfahren. Basierend auf der animistischen Weltanschauung der Ureinwohner, die davon ausgingen, dass alle Naturphänomene beseelt sind, verwendeten sie den Rauch des Pilzes, um Krankheiten und Tod abzuwehren. Es gibt auch Anzeichen dafür, dass sie den Pilz möglicherweise als Schnupfpulver verwendet haben könnten. Um dies in der Nase zu behalten, stopften sie diese mit Pflanzenfasern, obwohl es keine klaren Hinweise auf die Verwendungszwecke gibt.
Der Chaga-Pilz zeichnet sich durch eine breite Verträglichkeit und geringe Toxizität aus, was seine sichere Anwendung ermöglicht. Trotz seiner langen Geschichte in der traditionellen Verwendung gibt es bisher keine bekannten Kontraindikationen für seine medizinische Nutzung. Dies wurde auch in Tierversuchen von Dr. Lazovskaya im Jahr 1959 bestätigt, bei denen verschiedenen Tierarten über einen Zeitraum von fünf bis sechs Monaten hohe Dosen des Präparats mit hohem Polysaccharid-Anteil verabreicht wurden, ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Dabei erreichten die verabreichten Mengen bis zu 1 g/kg Körpergewicht. In erstaunlichen Experimenten wurde sogar gereinigter Pilzpräparat mit hohem Polysaccharid-Anteil in einer Menge, die das Fünffache der empfohlenen Dosis für Menschen entsprach, Kaninchen injiziert, ohne dass Anzeichen von Vergiftung auftraten. Langjährige klinische Studien in russischen Krankenhäusern haben die sichere Anwendung von Chaga-Präparaten in therapeutischen Dosen bei Patienten mit Magengeschwüren und schweren Krebserkrankungen bestätigt. Die meisten wissenschaftlichen Forschungsarbeiten zu den Wirkungen des Chaga-Pilzes wurden in den letzten Jahrzehnten in der Sowjetunion durchgeführt und auf Russisch veröffentlicht. Im Jahr 2002 untersuchte Dr. Rasina in Russland die Auswirkungen des Präparat mit hohem Polysaccharid-Anteil auf schädliche Effekte durch radioaktive Strahlung in Tierversuchen. Dabei wurde deutlich, dass der Chaga-Pilz aufgrund seiner adaptogenen Eigenschaften eine signifikante Schutzwirkung entfaltet und strahleninduzierte Schäden reduzieren kann. Interessanterweise gibt es auch Befunde zur Herzleistung, die darauf hinweisen, dass die optimale Wirkung des Chaga-Pilzes in einem eher niedrigen Dosisbereich liegt. Eine weitere Steigerung der Dosierung führt hingegen zu einer Abnahme seiner Wirkung.
Im Jahre 2002 veröffentlichte Kutalek einen Bericht über die Anwendung glimmender Pilzfragmente zur Linderung von Rheuma. Diese alte Methode beinhaltete das Auflegen der nicht brennenden Seite des Pilzes auf die betroffenen Hautstellen und das Verbleiben dort, bis eine deutliche Hitzeentwicklung auf der Haut spürbar wurde, gelegentlich sogar bis hin zur Bildung einer Brandblase. Obwohl die Autorin den verwendeten Pilz als Chaga bezeichnete, erscheint diese Bezeichnung irreführend und möglicherweise fehlerhaft. Tatsächlich handelt es sich höchstwahrscheinlich nicht um den Birkenporling (Piptoporus betulinus), da dieser als Zundermaterial weniger effektiv ist. In Sibirien ist der Schiefe Schillerporling unter dem genannten Namen weithin bekannt. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass Exemplare dieses Pilzes, die auf Birken wachsen und im Herbst oder Frühjahr geerntet werden, die höchste Konzentration an medizinisch bedeutsamen Inhaltsstoffen aufweisen. Es scheint, dass der Pilz eine Vielzahl dieser wertvollen Substanzen von seinem Wirt aufnimmt und speichert.
Inhaltsstoffe
Im Jahre 1864 begann der Chemiker Georg Dragendorff erstmals, die chemische Struktur des Chaga-Pilzes zu erforschen. Sein Interesse verblasste jedoch rasch, da er nicht die erwarteten Glykoside und Alkaloide in dem Pilz nachweisen konnte. Etwa 100 Jahre später nahm eine Gruppe russischer Wissenschaftler, darunter Yakimov, Shivrina und andere, erneut die Untersuchung des Pilzes in Angriff. In ihrem gründlichen Vergleich stellten sie fest, dass die chemische Zusammensetzung des Chaga-Pilzes signifikant von der anderer Porlinge abweicht. Der Chaga-Pilz zeichnet sich durch etwa das zwei- bis dreifache an Mineralstoffen aus und weist im Vergleich zu anderen Porlingen lediglich 1/5 bis 1/10 des Eiweiß- und Cellulosegehalts auf. Der Aschegehalt, der die mineralischen Bestandteile umfasst, liegt bei etwa 15 %. Vorherrschend sind Kalium, Natrium und Mangan, während auch geringfügige Mengen an Calcium, Silizium, Eisen, Magnesium, Zink und Kupfer enthalten sind. Interessanterweise konnten keine Anzeichen von giftigen Schwermetallen wie Blei, Cadmium, Quecksilber oder Arsen nachgewiesen werden.
Der Chaga-Pilz enthält zusätzlich zu den bereits erwähnten Verbindungen auch Flavonoide wie Apigenin, Naringenin und Quercetin, Gerbstoffe in Form von Tanninen sowie Lektine. In geringen Mengen sind auch organische Säuren wie Essigsäure, Buttersäure und Oxalsäure enthalten. Beachtlich ist, dass ein erheblicher Teil der Inhaltsstoffe des Pilzes wasserlöslich ist und eine auffällige dunkelbraune bis schwarze Färbung aufweist. Diese dunklen Pigmente stellen ein bedeutendes Unterscheidungsmerkmal zu anderen Porlingen dar, da ihr Gehalt in diesen wesentlich niedriger ist. Die Ursache dieser auffälligen Färbung liegt wahrscheinlich in der Anwesenheit von Melaninen und Polyphenolen, weshalb oft von einem Melanin-Komplex gesprochen wird. Insbesondere die äußere, schwarze Schicht des Pilzes weist hohe Konzentrationen dieser Verbindungen auf. Melanine sind langkettige, farbige Pigmente und kommen weit verbreitet in der Natur vor, sei es in Tieren, Pflanzen, Pilzen oder sogar Bakterien. Es ist erwähnenswert, dass es trotz gewisser chemischer Unterschiede in der Zusammensetzung von Melaninen bei Tieren, Pflanzen und Pilzen oft keine klare begriffliche Trennung gibt. Beispielsweise sind bei Tieren vor allem die Eumelanine vorherrschend, die sich im Körper aus der Aminosäure Tyrosin bilden. Bei Bakterien, Pilzen und Pflanzen findet man hingegen häufig Allomelanine in Form von Polyphenolen, die aus Hydroxybenzolen entstehen.
In Großpilzen sind Melanine eher eine seltene Erscheinung, dennoch zeigen sie eine bemerkenswerte Schutzfunktion gegenüber schädlichen Einflüssen wie UV-Strahlung und hohen Temperaturen. Interessante Hinweise darauf lieferten Untersuchungen von Dadachova et al. im Jahr 2007. Diese Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Mikropilze, die Melanine bilden, nicht nur einen Schutzmechanismus gegen ionisierende Strahlung besitzen, sondern möglicherweise auch die Fähigkeit haben, diese schädliche Strahlung in nutzbare Energie umzuwandeln. Es scheint, dass der Pilz die Produktion von Melaninen verstärkt, insbesondere als Reaktion auf oxidativen Stress, wie in einer Studie von Zheng et al. aus dem Jahr 2009 festgestellt wurde.
In der Untersuchung des Pilzes stellte man nicht nur lange Polyphenole fest, sondern identifizierte auch Phenolderivate wie Vanillinsäure, Pyrogallol, Brenzcatechin, para-Benzoesäure und Syringasäure. Diese Verbindungen fallen besonders aufgrund ihrer Sensibilität gegenüber Sauerstoff auf und ihrer Fähigkeit zur chemischen Reaktion miteinander. Diese Reaktionen führen zur Bildung einer breiten Palette von Endprodukten in dunklen Tönen, die als Polyphenol-Allomelanine bekannt sind. Die natürliche Laccase im Pilz verstärkt diese Prozesse. Die einzigartige chemische Struktur der Pilzmelanine spielt eine entscheidende Rolle für die außerordentlich starke antioxidative Wirkung des Pilzes. Sie sind in der Lage, erhebliche Mengen an freien Radikalen, die durch Strahlung erzeugt werden, zu entschärfen, wie von Babitskaya et al. im Jahr 2000 dokumentiert wurde. Zusätzlich zur Neutralisierung krebserregender Chemikalien tragen sie zur DNA-Schutzfunktion bei und sind in die Reparaturmechanismen der genetischen Information (DNA) integriert.
Die immunmodulierende, entzündungshemmende und krebswachstumshemmende Wirkung von Melaninen ist bemerkenswert. Sie tragen dazu bei, die Peroxidation von mehrfach ungesättigten Fettsäuren und Lipiden zu unterdrücken, die essentielle Bestandteile der Zellmembranen darstellen. Darüber hinaus verhindern sie Einzelstrangbrüche des Erbmoleküls und mindern Schäden an den Zellmembranen. Eine weitere wichtige Rolle besteht darin, Proteine vor oxidativen Prozessen zu schützen. Es ist erwähnenswert, dass Melanine ein nur geringes toxisches Potenzial aufweisen.
Vergleicht man die Pigmente im natürlichen Chaga mit denen aus Myzelkulturen, fallen einige Unterschiede auf. In Myzelkulturen besteht das Melanin hauptsächlich aus Eumelanin, während im natürlichen Chaga vorwiegend Allomelanin vorkommt (Kukulyanskaya et al. 2002, Olennikov et al. 2012). Eine weitere bedeutende Gruppe von Inhaltsstoffen im Chaga sind Sterole, darunter Ergosterol, Ergosterolperoxid, Lanosterol und tetrazyklische Triterpenderivate wie Inotodiol und Trametenolsäure. Diese Stoffe sind in kaltem Wasser kaum löslich, lösen sich jedoch in heißem Wasser in begrenztem Maße. Eine bessere Löslichkeit wird in Alkohol erreicht. Es ist erwähnenswert, dass fortlaufend neue Triterpenderivate entdeckt werden, wie zum Beispiel die Inonotsutriole D und E, die zur Lanostan-Gruppe gehören (Nakata et al. 2009).
Bestimmte Sterole, insbesondere die herausragende Hauptkomponente Inotodiol, sind als effiziente Hemmstoffe des Krebswachstums anerkannt. Bislang konnte Inotodiol ausschließlich im Chaga-Pilz nachgewiesen werden (Nomura et al. 2008, Chung et al. 2010). Eine chemisch leicht abgewandelte Variante des Inotodiols ist bemerkenswerterweise im Erbsenstreuling (Pisolithus tinctorus) zu finden. Zudem beherbergt der Pilz pentazyklische Triterpenderivate vom Lupantyp, darunter Betulin, Lupeol, Lupenon und Beta-Sitosterol, die normalerweise in Pflanzen üblich sind. Es ist wahrscheinlich, dass diese Bestandteile (Betulin, Lupeol usw.) aus der Birkenrinde stammen und sich im Pilz ansammeln. Eine umfassende Erläuterung der Inhaltsstoffe und der medizinischen Verwendung der Birkenrinde findet sich in der Arbeit von Zvrvanova et al. (2010).
Chemisch betrachtet, ist es möglich, aus Betulin unkompliziert die äußerst interessante Betulinsäure herzustellen. Diese Verbindung zeigt vielversprechendes Potenzial in der Therapie von Krebserkrankungen, insbesondere Hautkrebs, und bei HIV-Infektionen (Cichewicz und Koat??? 2004). Jüngere Studien deuten darauf hin, dass Betulin, insbesondere in Verbindung mit Cholesterol, ebenfalls krebsbekämpfende Eigenschaften aufweisen kann (Müllauer 2011). Die Frage, ob Betulinsäure auch direkt im Chaga-Pilz vorkommt, ist nach wie vor unklar und es gibt widersprüchliche Angaben. Es scheint jedoch Hinweise zu geben, dass sie sich hauptsächlich in der dunklen äußeren Schicht des Chaga konzentriert.
Lupeol ist ebenso eine äußerst faszinierende Substanz mit vielfältigen medizinischen Eigenschaften. Für eine eingehende Erläuterung sei auf die detaillierte Abhandlung von Gallo et al. (2009) verwiesen. In Bezug auf den Triterpen-Gehalt zeigen natürlicher Chaga und Myzelkulturen ungefähr ähnliche Werte. In den Myzeln wurden zudem kleine Proteinverbindungen (Tripeptide) entdeckt, die eine antithrombotische Wirkung aufweisen (Hyun et al. 2006). Es ist jedoch äußerst wahrscheinlich, dass der Pilz verschiedene Verbindungen wie beispielsweise Betulin aus seinem Wirtsbaum aufnimmt und diese nicht eigenständig produziert, weshalb sie in Myzelkulturen fehlen könnten.
Im Chaga sind zahlreiche immunstimulierende und krebswachstumshemmende Polysaccharide (einschließlich Beta-Glykane und Heterogione) sowie proteingebundene Polysaccharide enthalten, die dazu beitragen können, den Blutzuckerspiegel zu regulieren (Mizuno 1999, Kim et al. 2006). In Bezug auf die blutzuckersenkende Wirkung führten Zhang et al. (2011) Experimente mit Pilzmyzel durch, das mit Vanadium angereichert wurde. Vanadium selbst hat blutzuckersenkende Eigenschaften, ist jedoch in seiner anorganischen Form toxisch und krebserregend. Durch die Bindung des Vanadiums im Pilz wird das Metall besser verträglich, die schädlichen Auswirkungen werden minimiert, und die blutzuckersenkende Wirkung verstärkt sich.
In den Studien von Lee et al. (2007, 2011) wurden die Styropyrone Inonoblin A-C erfolgreich identifiziert. Interessanterweise weist Inonoblin A eine strukturelle Ähnlichkeit zu Phelligridin I und verschiedenen Phelligridinen auf, die von Hispidin abstammen. Weitere Styropyron-Derivate wie Inoscavine und Davallialactone wurden ebenfalls entdeckt, und sie zeichnen sich unter anderem durch ihre antioxidativen Eigenschaften aus. Es wird vermutet, dass die antivirale Wirkung dieser Verbindungen mit Hispolon, Hispidin und speziellen Sterolen wie Betulin in Zusammenhang stehen könnte. Für eine umfassende Übersicht über die bislang bekannten Inhaltsstoffe und ihre Auswirkungen verweisen wir auf die Forschungsarbeit von Zheng et al. (2010).
Wissenswertes
Im lateinischen Gattungsnamen dieses Pilzes sind die griechischen Wurzeln inos, was für Kraft steht, und notos, was sich auf den rückenhaften, zottig-borstigen Hut und das faserige Fleisch der Hauptfruchtform bezieht, miteinander verschmolzen. Das Adjektiv obliquos, abgeleitet aus dem Lateinischen und für schief stehend, verweist auf die schräg angeordneten Poren dieses Pilzes in seiner Hauptfruchtform. Eine faszinierende Anmerkung hierzu stammt von Alexander Issajewitsch Solschenizyn, dem Literaturnobelpreisträger und Autor von Archipel Gulag. Er hegte den festen Glauben, dass seine Genesung von einer Krebserkrankung in den 1950er-Jahren teilweise der Behandlung mit diesem Pilz zu verdanken war. In seiner halbautobiografischen Novelle Krebsstation von 1967 widmete er diesem Pilz ausführliche Beschreibungen. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass Chaga auch in der Tierzucht Anwendung findet. Experimente mit Ferkeln haben ergeben, dass die Zugabe dieses Pilzes zu ihrer Nahrung zu schnellerem Wachstum und höherer Gewichtszunahme führen kann (Shashkina 2006).
Mithilfe einer Paste, die aus dem gemahlenen Pilz gewonnen wird, lassen sich wirksam Krankheiten wie der Kastanienrindenkrebs (Cryphonectria parasitica) bekämpfen, der unter anderem Edelkastanien (Maronen) befallen kann. Diese Paste erfüllt jedoch nicht nur eine heilende Funktion, sondern kann auch als natürlicher Dünger und Beschleuniger für das Pflanzenwachstum dienen. Zusätzlich zeigt sie eine gewisse Schutzwirkung gegen Phytophthora, eine gefürchtete Fäulniserkrankung, die verschiedene Kulturpflanzen befallen kann. Die Ursache dieser Pflanzenkrankheit liegt in einzelligen Organismen der Gattung Phytophthora. Ein besonders verheerendes Beispiel dieser Krankheit ist Phytophthora infestans, der Erreger der Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel. Dieser Erreger führte im Jahr 1845 zum vollständigen Ausfall der Kartoffelernte in Irland und zur verheerenden Hungersnot, bei der etwa eine Million Menschen ihr Leben verloren.
Scheinbar ist es möglich, die Vermehrung des Chaga-Pilzes zu fördern, indem man das Myzelium auf gesunde Birkenstämme überträgt. Dieser Prozess erfordert zunächst die Entnahme des Myzels aus dem Inneren eines infizierten Birkenbaums mithilfe eines Hohlbohrers, auch als Zuwachsbohrer bekannt. Den gewonnenen zylindrischen Bohrkern führt man dann vorsichtig in ein bereits vorbereitetes Loch in einem gesunden Birkenstamm ein. Zusätzlich kann der Chaga auch als natürlicher Färbepilz für die Färbung von Wolle und Seide genutzt werden, wobei die erzielbaren Farben Gelb und Sepia sind.
Obwohl das korkartige, gelbe Innere des Pilzes normalerweise zu wertvoll ist, um als Zunder verwendet zu werden, erweist es sich dennoch als ausgezeichnetes Brennmaterial. Tatsächlich übertrifft es in seiner Entzündbarkeit sogar den des Echten Zunderschwamms (Fomes fomentarius), und es erfordert nicht einmal die aufwendige Vorbehandlung durch Nitrierung, wie beim Echten Zunderschwamm beschrieben. Es ist jedoch bemerkenswert, dass die äußere schwarze Schicht des Pilzes im Gegensatz dazu recht schwer zu entzünden ist.
Das korkartige Innere des Chaga kann verglimmen und dabei einen angenehm duftenden Rauch abgeben, weshalb es gelegentlich auch in Rauchmischungen Verwendung fand. Dieses Wissen war auch den nordamerikanischen Cree Indianern nicht unbekannt. Kleine Pilzstücke können ähnlich wie Beifußzigarren (Artemisia vulgaris) in der Moxa-Therapie eingesetzt werden, einer Methode der Akupunktur, die auf Hitze basiert. Dabei werden entweder die Nadeln zusätzlich durch kleine Moxa-Stückchen erhitzt oder die Akupunkturpunkte werden ausschließlich durch die Wärmeentwicklung der glimmenden Moxa-Zigarren, die nahe an den entsprechenden Hautstellen platziert werden, stimuliert.
Die Dene, ein indigener Stamm aus Kanada, praktizieren ein traditionelles Wahrsageritual. Dabei werden zwei gleiche Portionen fein gemahlenes Pilzmaterial so angeordnet, dass sie Ende an Ende liegen und jeweils für verschiedene mögliche Ergebnisse stehen. Anschließend werden beide Streifen gleichzeitig an ihren gegenüberliegenden Enden entzündet. Der Streifen, der zuerst vollständig abbrennt, deutet auf das bevorstehende Ereignis hin.
Geschichte
Die Anwendung des Chaga-Pilzes in der Heilkunde reicht weit zurück. Es wird berichtet, dass der bekannte mittelalterliche Herrscher und Kiewer Großfürst Wladimir Wsewolodowitsch Monomach (1053-1125) den Chaga zur Behandlung von Lippenkrebs nutzte. Schon im 15. Jahrhundert fand der Pilz Verwendung in der russischen Volksmedizin zur Bekämpfung von Krebserkrankungen. Aufgrund seiner nachgewiesenen Wirksamkeit bei Magen-Darm-Krebs wurde er 1858 in die russische Arzneimittelliste aufgenommen. Dies sind nur einige Beispiele für die lange und vielfältige Geschichte der Heilanwendungen des Chaga-Pilzes.
Der Schiefe Schillerporling, auch als Heiliger Gral der Porlinge bezeichnet, ist eine äußerst seltene Erscheinung in seiner Hauptfruchtform, wie der angesehene amerikanische Mykologe Sam Ristich einmal feststellte. Nur wenige Pilzkundige haben das Glück gehabt, diesen Pilz zu entdecken, während andere möglicherweise achtlos daran vorbeigegangen sind, ohne die undefinierbare Schicht als Teil eines Pilzes zu erkennen. Im Gegensatz dazu ist die sterile Nebenfruchtform weitaus häufiger anzutreffen und wird regelmäßig gefunden. Es war lange Zeit unbekannt, dass beide Formen tatsächlich verschiedene Darstellungen derselben Pilzart sind. Erst im Jahr 1938 enthüllten Campbell und Davidson, dass der Schiefe Schillerporling tatsächlich die Hauptfruchtform der Birkenknollen ist. Diese Erkenntnis mag auf den ersten Blick überraschend sein, da die dünnen, braunen oder blass ockerfarbenen, krustenartigen (resupinaten) Poren der Hauptfruchtform rein äußerlich keinerlei Ähnlichkeit mit der schwarzen, gefurchten und geschwulstartigen Nebenfruchtform aufweisen.